Funke
Drache Funke und die Schmiede im Zwergendorf
Zusammenfassung
Der große Drache Funke hilft dem Schmied Eisenhut in den Drachenbergen, besonderes Eisen zu finden. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch lösen sie gemeinsam ein gefährliches Problem am Felsband. Im Zwergendorf entscheidet Funke freiwillig, Krokus’ Größenzauber anzunehmen, damit er mit Eisenhut zusammen die Schmiede im Zwergendorf führen kann.
Hoch oben in den Drachenbergen lag Funke in einer Mulde aus warmem Stein. Er war ein großer, rundlicher Drache. Fast so hoch wie ein Zwergenhaus. Seine breiten Flügel schützten ihn vor dem kühlen Bergwind.
Unter seinem Bauch vibrierte der Fels manchmal leise. Dann wusste Funke: Tief im Berg schlief Eisen.
An diesem Morgen hörte er ein anderes Klopfen. Es klang nach einem kleinen Hammer, der tapfer gegen einen großen Stein schlug.
Zwischen grauen Felsen stand ein Zwerg mit Schürze, Hammer und schwerem Rucksack. Er schlug gegen eine dunkle Ader im Gestein, betrachtete einen Splitter und schüttelte den Kopf.
„Zu bröselig“, murmelte er. „Für gute Werkzeuge taugt das nicht.“
Funke trat vorsichtig näher. Dennoch rollten Kiesel über den Hang. Der Zwerg fuhr herum. Sein Blick wanderte von Funkes Klauen zu dessen freundlichem Gesicht.
„Guten Morgen“, sagte Funke.
Der Zwerg umklammerte seinen Hammer. „Guten Morgen. Ich bin Eisenhut, Schmied aus dem Zwergendorf der Kleeweite. Und du bist wohl kein Bergziegenbock.“
Funke lachte. Ein warmer Rauchkringel stieg aus seinen Nüstern. „Ich heiße Funke. Suchst du Eisen?“
„Besonderes Eisen“, erklärte Eisenhut. „Es soll hier eine Ader geben, die fest ist und nicht splittert. Daraus kann ich Werkzeuge für steinige Böden schmieden.“
Funke legte den Kopf schief. Unter seinen Füßen spürte er ein feines Zittern, weiter oben am Hang. „Dort klingt der Berg anders.“
Der Weg führte zu einem schmalen Felsband unter einer steilen Wand. Eisenhut sah hinauf. „Das ist ein weiter Aufstieg.“
„Dann gehen wir los“, sagte Funke.
Der Pfad war für Funke gerade breit genug. Er ging langsam, damit Eisenhut nicht von losen Steinchen getroffen wurde. Eisenhut prüfte die Gesteinsschichten. Funke lauschte mit den Füßen dem Berg.
An einer dunklen Stelle in der Felswand klopfte Eisenhut mit seinem Hammer. Sein Blick wurde wach. „Das ist es! Hörst du den hellen Klang? Dieses Eisen ist genau richtig.“
Eisenhut setzte den Meißel an. Funke blies einen winzigen, heißen Feuerstrahl auf den Fels neben der Erzader. Das Eisen selbst ließ er unberührt. Ein Riss zog sich durch den Stein.
„Noch etwas weiter links!“, rief Eisenhut.
Funkes Feuer wurde fein wie ein glühender Faden. Der Stein knackte. Ein großer Brocken löste sich, fiel aber nicht zu Boden. Er verkeilte sich quer über dem Felsband.
Hinter ihm lag die Erzader frei. Vor Eisenhut war der Weg versperrt.
„Das war nicht geplant“, sagte Funke leise.
Eisenhut stemmte sich gegen den Brocken. Er bewegte sich nicht. Funke setzte eine Kralle an, doch am Rand rutschte ein Stein weg. Sofort zog er die Pfote zurück.
„Wenn ich stärker drücke, kann das ganze Felsband brechen“, sagte Funke. Seine Flügel lagen eng am Körper.
„Mein Hammer reicht nicht“, sagte Eisenhut. „Und dein Feuer darf das Erz nicht beschädigen.“
Funke starrte auf die Wand. Seine erste Idee hatte den Weg blockiert. Da sah er oberhalb des Brockens eine feine Spalte. Grauer Sand rieselte daraus.
„Eisenhut, was geschieht, wenn ein Stein auf einer glatten Schicht liegt?“
Der Zwerg sprang auf. „Dann kann er vielleicht gleiten, statt gehoben zu werden.“
Eisenhut holte eine flache Metallschaufel aus seinem Rucksack. Er kratzte Sand aus der Spalte und streute ihn unter die untere Kante des Brockens. Funke hielt den Atem an, damit kein Luftzug den Sand fortwehte.
Dann berührte er den Stein nur mit der Spitze einer Kralle.
„Ganz langsam“, sagte Eisenhut.
Funke drückte. Der Brocken ruckte. Beim zweiten, vorsichtigen Druck knirschte der Sand. Der Stein glitt zur Seite und kam in einer sicheren Mulde zum Liegen.
Das Felsband war wieder frei.
Eisenhut hob beide Arme. „Das war klug, Funke!“
Die Anspannung fiel von Funke ab. „Deine Schaufel hat geholfen. Und du hast gesehen, wohin der Stein kann.“
Nun arbeiteten sie vorsichtiger. Eisenhut setzte Meißel und Hammer präzise an. Funke erwärmte nur den Fels um die Erzader. Stück für Stück legten sie das dunkel glänzende Erz frei.
Als die Sonne tief stand, füllte Eisenhut seinen Rucksack. Er hielt einen Splitter ins Licht. „Daraus kann ich etwas Besonderes machen. Doch für dieses Eisen brauche ich eine Esse mit genau der richtigen Hitze.“
Funke sah auf seine Nüstern. „Mein Feuer kann sehr genau sein.“
Eisenhut nickte. „Das habe ich gesehen.“
Gemeinsam brachten sie das Erz aus den Bergen. Funke trug den Rucksack behutsam zwischen seinen Vorderpfoten. Als die grünen Hügel der Kleeweite auftauchten, roch der Wind nach Klee.
„Komm ins Zwergendorf“, sagte Eisenhut. „Wir verarbeiten das Erz gemeinsam. Du mit deinem Feuer, ich mit meinem Handwerk.“
Funke breitete erfreut die Flügel aus. „Eine gemeinsame Schmiede? Sehr gern!“
Im Dorf plätscherte der Brunnen. Die alte Mühle klapperte. Über den kleinen Steinhäusern ragte der hölzerne Aussichtsturm mit seiner Glocke auf.
Doch als Funke zwischen den ersten Häusern stand, wurde es still. Er war ungefähr so groß wie ein Haus. Sein Schwanz musste vorsichtig um eine Ecke gelegt werden. Seine Flügel passten nicht zwischen die Dächer.
Als er sich drehte, rüttelte ein Luftzug an dem Turm. Funke zog die Flügel rasch an sich.
„Hier kann ich nicht einmal niesen“, sagte er.
Eisenhut sah zu den engen Wegen. „Wir könnten am Dorfrand eine Schmiede bauen.“
Sie versuchten es. Doch über den Hügeln pfiff der Wind. Er drückte Funkes Feuer in der Esse zur Seite.
Eisenhut schüttelte den Kopf. „So wird das Metall nicht gleichmäßig warm.“
Funke ließ den Blick sinken. In den Drachenbergen hatte die gemeinsame Schmiede so einfach geklungen. Jetzt schien es keinen Platz für sie zu geben.
Da baten sie Korkus den Zauberzwerg um Rat.
„Eine Schmiede braucht einen guten Ort“, sagte er. „Und Partner brauchen einen Ort, der für beide passt.“
„Kennst du einen?“, fragte Funke.
Krokus setzte sich auf einen Stein. „Ich kenne einen Größenzauber. Bei einem Wesen wirkt er nur, wenn es ihn freiwillig will und den Spruch zugleich mit mir spricht.“
Funke wurde still. „Wäre ich dann kleiner?“
„Ungefähr so groß wie Eisenhut“, antwortete Krokus. „Du bliebst Funke. Dein Feuer, deine Erinnerungen und deine Fähigkeiten blieben bei dir.“
„Und wenn ich es später bereue?“
„Dann können wir dich wieder groß zaubern. Aber wieder nur, wenn du zustimmst und den Spruch mit mir sprichst. Entscheide nicht eilig.“
Funke blickte zum Dorf. Er sah die Wege, den Brunnen und Eisenhut bei der alten Schmiede. Er dachte an die Erzader und an den Stein, den sie gemeinsam bewegt hatten.
Eisenhut trat zu ihm. „Ich möchte mit dir arbeiten. Aber tu nichts, nur weil du glaubst, es für mich tun zu müssen.“
Funke nickte langsam. Er wollte nicht bloß neben Eisenhut stehen. Er wollte am Amboss planen, tüfteln und arbeiten.
„Ich entscheide es selbst“, sagte er. „Ich möchte hier leben. Ich möchte dein Partner sein. Und ich möchte die Schmiede mit dir bauen.“
Krokus stand auf. Sein Zauberring glitzerte im Abendlicht. „Dann sprich den Zauberspruch zusammen mit mir:"
Zauber-hicks und Knirsche-Korn, schrumpfe hinten, schrumpfe vorn! Klipp und klapp und klitzeklein: Bist ab jetzt ganz klein und fein!
Funke und Krokus sagten den Spruch gleichzeitig. Der Ring leuchtete. Ein warmer Kreis aus goldenem Licht legte sich um den großen Drachen und er begann zu schrumpfen.
Als das Licht erlosch, stand Funke auf dem Gras. Er war nun ungefähr so groß wie Eisenhut. Noch immer rundlich, freundlich und ein Drache.
Funke machte einen Schritt und drehte sich auf dem Platz. „Jetzt kann ich niesen, ohne den Turm zu zerstören!“
Eisenhut lachte.
In den nächsten Tagen richteten sie die Dorfschmiede ein. Eisenhut stellte Amboss und Werkzeuge bereit. Funke prüfte den Platz für die Esse. Dort konnte sein präzises Feuer das Metall gleichmäßig erwärmen.
Gemeinsam schmiedeten sie aus dem Eisen der Drachenberge einen starken Beschlag für das Tor der Mühle und ein neues Werkzeug für die steinigen Felder.
Als der erste Hammerschlag durch die warme Schmiede klang, gab Funke einen kleinen Feuerstrahl in die Esse. Eisenhut hob den Hammer.
„Bereit, Partner?“
Funke nickte. „Bereit.“
Zwischen Glutwärme, Metallgeruch und funkelnden Werkzeugen begann ihre gemeinsame Schmiede.
