Franz Bayerhops

Franz teilt sein Spielzeug

Zusammenfassung

Franz lädt Rudy auf seine Lichtung ein, möchte seine Spielsachen zuerst aber nicht teilen. Als Rudy traurig wird, erkennt Franz selbst, dass gemeinsames Spielen schöner ist, und teilt sein Spielzeug mit Rudy.

An einem hellen Vormittag stand Franz auf einer kleinen Lichtung im Wuschelwald. Sein rotes Halstuch leuchtete zwischen dem weichen Moos. Vor ihm lagen seine liebsten Spielsachen: ein runder, bunter Ball, drei glatte Steine und ein langer Stock mit einer kleinen Astgabel.

„Heute lade ich Rudy ein!“, sagte Franz und stellte seine großen Ohren auf. „Wir können prima spielen.“ Er hüpfte zum Waldweg und winkte.

Kurz darauf trabte Rudy heran. Seine Regenbogenkappe wippte auf und ab, und seine gelbe Mähne strahlte in der Sonne. „Hallo, Franz! Was hast du denn alles dabei?“

„Meine Spielsachen“, sagte Franz stolz. „Komm, wir spielen auf der Lichtung!“

Rudy sah den Ball und bekam große Augen. „Darf ich ihn einmal rollen?“

Franz zog den Ball schnell an sich. „Nein, den darfst du nicht haben. Das ist mein Ball.“

Rudy nickte langsam. „Dann schaue ich eben zu.“

Franz rollte den Ball über das Moos. Er rollte ein Stück, blieb an einem Farn stehen und kippte zur Seite. Franz lachte kurz. Doch allein machte das Rollen nicht so viel Spaß, wie er gedacht hatte.

Da entdeckte Rudy die drei glatten Steine. Einer war grau, einer braun, und einer glitzerte ein wenig. „Oh! Darf ich die Steine in eine Reihe legen?“

Franz legte seine Vorderpfoten über die Steine. „Nein, die darfst du auch nicht haben. Das sind meine schönen Steine.“

Rudy trat einen kleinen Schritt zurück. Seine Ohren sanken ein wenig. „Ach so“, sagte er leise.

Franz nahm die Steine und legte sie selbst nebeneinander. Doch ohne Rudy war die Reihe schnell fertig. Franz schaute zu seinem Freund. Rudy stand am Rand der Lichtung und scharrte vorsichtig mit einem Huf im Moos.

Dann zeigte Rudy auf den Stock. „Mit dem können wir vielleicht eine Spur in die Erde malen. Darf ich ihn halten?“

Franz hielt den Stock fest. „Nein! Den darfst du auch nicht haben. Der ist auch meiner.“

Jetzt sagte Rudy gar nichts mehr. Er drehte sich zum Waldweg, als wollte er nach Hause traben. Franz spürte plötzlich ein Ziehen in seinem Bauch. Die Lichtung sah auf einmal sehr groß und sehr leer aus.

„Rudy, warte!“, rief Franz.

Rudy blieb stehen, schaute aber nicht gleich zurück.

Franz sah seinen Ball, seine Steine und den Stock an. Dann sah er Rudy an. Er erinnerte sich daran, wie schön es war, wenn Freunde mitspielten, lachten und neue Ideen hatten. Seine Spielsachen waren noch da. Aber Rudy war traurig.

Franz nahm den Ball in beide Vorderpfoten und hüpfte zu Rudy. „Es tut mir leid“, sagte er. „Ich wollte alles nur für mich behalten. Aber ich möchte mit dir spielen. Magst du den Ball rollen?“

Rudy blickte auf. „Wirklich?“

„Wirklich“, sagte Franz und gab ihm den Ball.

Rudy stupste den Ball vorsichtig mit seinem Huf an. Der Ball rollte über das Moos, direkt zwischen zwei Steinen hindurch und gegen den Stock. Plopp! Der Stock drehte sich einmal im Kreis.

Franz musste lachen. „Das sah lustig aus!“

„Noch mal!“, rief Rudy.

Nun legten sie gemeinsam die Steine als kleine Tore auf die Lichtung. Franz hielt den Stock fest, während Rudy mit einem Huf eine breite Spur in die weiche Erde malte. Dann rollte Rudy den Ball los, und Franz hüpfte neben ihm her.

Als der Ball durch das Steintor rollte, jubelten beide. Franz’ Ohren wippten, und Rudys Regenbogenkappe rutschte ihm fast über ein Auge.

„Dein Spielplatz ist toll“, sagte Rudy.

Franz schob den glitzernden Stein ein Stück näher zu ihm. „Unser Spielplatz“, sagte er.

Und bis die Sonne hinter den hohen Bäumen stand, rollten sie den Ball, bauten neue Steintore und malten lange, kringelige Spuren in die Erde.

Kleeweite Vorlesegeschichten

Fabelgeschichten für Kinder

Begleite vertraute Figuren durch kleine Abenteuer, große Gefühle und eine Welt voller Fantasie – für Kinder ab 3 Jahren.