Franz Bayerhops

Franz und die Abendpilze

Zusammenfassung

Franz sammelt mit Mulekuh auf der Mooslichtung Abendpilze, entscheidet sich, kleine Pilze weiterwachsen zu lassen, und kocht anschließend mit ihr ein warmes Abendessen.

Im Wuschelwald wurde der Nachmittag langsam golden. Franz Bayerhops stand vor seiner kleinen Tür und spitzte die großen Ohren. Die Blätter raschelten leise, und aus der Ferne hörte er eine Amsel ihr letztes Lied singen.

Da kam Mulekuh den Waldweg entlang. Ihre runde Brille glitzerte im warmen Licht. Unter ihrem Arm trug sie einen leeren Weidenkorb.

„Guten Abend, Franz“, sagte sie. „Ich wollte Abendpilze für unser Essen sammeln. Magst du mitkommen?“

Franz’ blaue Augen wurden groß. Er strich sein rotes Halstuch glatt und nickte. „Ja! Ich möchte gern welche finden.“

Mulekuh lächelte. „Dann gehen wir langsam zur Mooslichtung. Dort wachsen manchmal Pilze unter den alten Wurzeln.“

Franz nahm den kleinen Korb und hüpfte neben Mulekuh her. Sein grünes Höschen raschelte bei jedem Schritt. Sie gingen nicht weit. Der Weg führte zwischen weichen Moospolstern hindurch, vorbei an Farnen und einem Baumstamm, auf dem eine Schnecke ganz gemütlich unterwegs war.

„Sie ist ja noch langsamer als wir“, flüsterte Franz.

„Heute ist das gar nicht schlecht“, sagte Mulekuh. „Wer langsam läuft, entdeckt oft mehr.“

Auf der Mooslichtung blieb Franz stehen. Zwischen zwei dicken Wurzeln sah er etwas Rundes. Er ging in die Hocke und schob vorsichtig ein Blatt zur Seite. Dort standen drei kleine Pilze mit hellen Punkten auf ihren braunen Hüten.

„Ich habe welche gefunden!“, rief Franz leise, damit die Abendruhe im Wald bleiben durfte.

Er wollte schon nach einem Pilz greifen. Doch Mulekuh beugte sich zu ihm herunter. „Diese sind noch sehr klein. Was meinst du: Sollen wir sie wachsen lassen?“

Franz betrachtete die winzigen Hüte. Erst zog er die Nase kraus. Sein Korb war noch ganz leer. Dann sah er, wie dicht die drei Pilze beieinanderstanden, als würden sie sich wärmen.

„Sie können noch größer werden“, sagte er. „Wir lassen sie hier.“

„Das ist eine gute Entscheidung“, sagte Mulekuh warm.

Franz richtete sich wieder auf und schaute noch genauer hin. Neben dem flachen Baumstumpf fand er ein paar größere Pilze. Ihre Hüte waren glatt und bernsteinfarben. Unter den Hüten leuchteten weiche, goldene Lamellen.

„Sind das Abendpilze?“, fragte er.

Mulekuh setzte ihre Brille zurecht und prüfte sie aufmerksam. „Ja. Diese kennen wir gut. Sie riechen mild, wachsen hier in kleinen Gruppen und haben diese goldene Unterseite.“

Franz atmete vorsichtig daran. „Sie riechen ein bisschen nach Wald und warmem Brot.“

„Genau so“, sagte Mulekuh.

Nun durfte Franz sammeln. Er drehte jeden Pilz behutsam aus dem Moos, damit die Wurzeln im Boden bleiben konnten. Einen nach dem anderen legte er in den Korb. Als der Korb halbvoll war, schaukelte Franz ihn sanft hin und her.

„Das reicht für uns“, entschied er. „Die anderen Pilze dürfen im Wald bleiben.“

Mulekuh nickte zufrieden. Gemeinsam gingen sie zurück. Über den Baumwipfeln wurde der Himmel rosa und lila. Der Wuschelwald klang nun ganz anders als am Nachmittag: Die Vögel waren stiller, und die Blätter flüsterten nur noch im Abendwind.

In Mulekuhs gemütlicher Küche stellte Franz den Korb auf den Tisch. Mulekuh wusch die Pilze in einer Schüssel mit klarem Wasser. Franz durfte mit einem weichen Tuch über die Hüte streichen.

„Ganz vorsichtig“, sagte er und putzte einen besonders runden Pilz.

„Du machst das ausgezeichnet“, sagte Mulekuh.

Dann schnitt Mulekuh die Pilze in kleine Stücke. Franz gab sie nacheinander in den Topf. Es zischte ganz leise, als die ersten Stückchen die den heißen Boden berührten. Ein freundlicher Duft breitete sich in der Küche aus.

Mulekuh goss noch etwas Brühe dazu. Franz rührte mit dem langen Holzlöffel um. Mulekuh stand dicht neben ihm und hielt den Topf fest. Dazu kamen Kartoffelstückchen und ein kleiner Löffel Kräuter.

„Jetzt sieht es aus wie ein Abendessen“, sagte Franz.

„Und es duftet auch so“, antwortete Mulekuh.

Während alles langsam gar wurde, deckte Franz den Tisch. Er stellte zwei Schüsseln hin, zwei Löffel und eine kleine Kerze in die Mitte. Als Mulekuh die Kerze anzündete, wackelte ein goldener Lichtpunkt über die Tischdecke.

Endlich saßen sie zusammen. Franz pustete über seine Suppe, bis sie nicht mehr dampfte. Dann nahm er den ersten Löffel.

„Mmm“, machte er. „Die Abendpilze schmecken köstlich und warm.“

Mulekuh kostete ebenfalls. „Und sie schmecken nach einem schönen Spaziergang.“

Franz dachte an die kleinen Pilze unter den Wurzeln. „Und nach Warten“, sagte er leise.

Nach dem Essen räumten sie gemeinsam auf. Franz trug die leichten Löffel zur Spüle, und Mulekuh stellte die Schüsseln daneben. Dann öffnete sie für einen Moment das Fenster.

Kühle Abendluft kam herein. Draußen stand der Wuschelwald dunkelblau zwischen den Bäumen. Auf der Mooslichtung wuchsen die kleinen Pilze sicher weiter, ganz still und ganz ungestört.

Franz kuschelte sich in seinen Schal und gähnte. Mulekuh legte ihm eine warme Decke über die Schultern.

„Morgen sehen die kleinen Pilze vielleicht schon anders aus“, murmelte Franz.

„Das werden wir in Ruhe herausfinden“, sagte Mulekuh.

Franz nickte. Sein Korb stand leer und ordentlich neben der Tür. Sein Bauch war voll, und seine Augen wurden schwer. Während draußen die Blätter leise raschelten, saß er noch einen Augenblick neben Mulekuh.

Dann war es Zeit, nach Hause zu gehen und von goldenen Pilzhüten, weichem Moos und einem gemütlichen Abendessen zu träumen.

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