Gurkenkönig
Der Muschelkreis im Abendlicht
Zusammenfassung
Der Gurkenkönig verbringt einen ruhigen Urlaubstag in der Muschelbucht, entdeckt beim Schnorcheln die Vielfalt des Meeres und lernt behutsam, dass eine alte Muschel das Zuhause eines Krebses sein kann.
Der junge Gurkenkönig machte Urlaub in der Muschelbucht. Der Sand war warm, und das Meer rauschte leise vor sich hin. Hinter ihm standen niedrige Bäume, die ihm am Vormittag Schatten geschenkt hatten.
Nun lag der Gurkenkönig auf seinem grünen Blätterumhang und hörte den Wellen zu. Seine Krone aus goldenen Sonnenblumenkernen glitzerte in der Sonne. „Heute will ich das Meer ganz genau anschauen“, sagte er und nahm sein Notizbuch aus der braunen Umhängetasche.
Am flachen Ufer zog er die Stiefel aus und stellte sie ordentlich neben seine Tasche. Dann watete er ins Wasser. Es war klar und kühl an seinen Füßen.
Der Gurkenkönig schwamm ein kleines Stück hinaus und schnorchelte nahe am Strand. Unter ihm tanzten helle Streifen auf dem Sand. Zwischen den Wasserpflanzen lagen Muscheln: runde, lange, gerippte und solche, die aussahen wie kleine Fächer.
Er tauchte wieder auf und strich sich das kupferrote Haar aus der Stirn. „Das Meer hat viele Formen“, murmelte er. Dann schwamm er ruhig zurück ans Ufer.
Dort suchte er Muscheln, die leer im Sand lagen. Eine war rosa wie eine Wolke. Eine andere war gelb und glatt. Eine dritte hatte feine braune Linien. Der Gurkenkönig legte sie vorsichtig in einen Kreis neben seinen Umhang.
Als er nach einer besonders großen, alten Muschel greifen wollte, raschelte es darin. Zwei kleine Augen schauten heraus. Dann krabbelte ein Krebs mit seitlichen Schritten hervor.
Der Gurkenkönig zuckte zurück. Seine großen Segelohren wackelten. „Oh! Mit dir habe ich nicht gerechnet“, sagte er leise.
Der Krebs blieb vor seiner alten Muschel stehen und hob freundlich eine Schere. Da bemerkte der Gurkenkönig die kleinen Bläschen am Eingang. Die Muschel war gar kein Fund. Sie war ein Zuhause.
„Dann bleibt sie natürlich bei dir“, sagte er. Er rückte die anderen Muscheln ein Stück weiter weg, damit der Krebs einen freien Weg zum Wasser hatte. Der Krebs verschwand wieder in seiner alten Muschel, und der Gurkenkönig atmete langsam aus.
In sein Notizbuch schrieb er: Manche Muscheln liegen im Sand. Manche Muscheln sind ein Haus. Dann malte er daneben einen kleinen Krebs mit zwei Scheren.
Die Sonne sank tiefer. Der Himmel wurde erst goldgelb, dann rosa und schließlich weich lila. Der Gurkenkönig setzte sich in seinen Muschelkreis und betrachtete die Farben.
Er ordnete die Muscheln nach ihren Formen. Die runden legte er zusammen, die langen daneben und die fächerförmigen in die Mitte. Das leise Rauschen des Meeres klang dazu wie ein Schlaflied.
Als der erste Stern über dem Muschelmeer erschien, schlüpfte der Gurkenkönig wieder in seine Stiefel. Er legte das Notizbuch in seine Tasche und breitete den Blätterumhang auf dem warmen Sand aus.
Noch einmal hörte er die Wellen. Noch einmal sah er zum Muschelkreis. Dann kuschelte er sich in seinen Umhang, während die Nacht ganz sanft über die Muschelbucht kam.
